Franz Schubert – Dringend gesucht! – Pressestimmen


Melancholische Wandergruppe

Ein Stück über Franz Schubert im Theater im Haus der Kunst

Der Komponist Franz Schubert hatte es bekanntlich wirklich nicht einfach in seinem Leben. Das schwierige Elternhaus, der berufliche Misserfolg, die Kurzsichtigkeit, später dann auch noch die Syphilis: Wer würde aus all diesen Lebensumständen nicht ganz einfach ausbrechen wollen? Kein Wunder, dass Schubert das Wandern – von der "Wandererphantasie" bis zur "Winterreise" – zu einem seiner Lieblingsmotive erkoren hatte. Vor diesem Hintergrund wird dann auch der Titel begreiflich, den der Musiker, Kabarettist und Bildende Künstler Josef Brustmann seinem aktuellen Projekt, einer Hommage an den vermutlich unglücklichsten Komponisten aller Zeiten, gegeben hat: Franz Schubert – Dringend gesucht. Ja, wo ist er denn, der Schubert Franz? Man weiß es nicht, vermutlich ist er fortgewandert.

Die Suche nach der Romantik

Der Abend ist ruhig und traurig und trifft ins Mark. Eigentlich, so erfährt man aus dem Programmheft, steht als konzeptueller Gedanke die Suche nach der Romantik (und zwar der im weitesten Sinne) im Vordergrund. Gott sei Dank, möchte man sagen, verfehlt diese Idee aber ihr Ziel. Statt einen beliebig großen Assoziationsraum zu eröffnen, dringen die vier Beteiligten immer tiefer in den Kern einer unendlich isolierten, nur in rätselhaften Andeutungen mit ihrer Umwelt kommunizierenden Künstlerpersönlichkeit vor. In der collagehaften Zusammenführung von Texten, Liedern und Videoelementen (Christoph Brech) wird das Phänomen Franz Schubert greifbarer, als es bei jedem Liederabend der Fall wäre.

Was für hervorragende Künstler man vor sich auf der karg ausgestatteten Bühne sitzen hat – neben Josef Brustmann dessen Schwester, die Sopranistin Monika Brustmann, die hochvirtuose Harfenistin Maria Graf und den ebenso eindringlichen wie bekannten Schauspieler Wolfram Berger – bemerkt man bei all dieser Zurückgenommenheit nur flüchtig. Und das ist nun durchaus ein Kompliment. Eine Wandergruppe, als Suchexpedition ausgesandt in die einsame Welt des Franz Schubert – wer da nicht zumindest melancholisch wird...

Stefan Schwarz , in Süddeutsche Zeitung vom 3.1.2008


Gesucht & gefunden

Wie von irgendwo-nirgendwo zwischen die Jahre geweht: der Abend Franz Schubert – Dringend gesucht! im Theater im Haus der Kunst, ein Projekt von Josef Brustmann, uraufgeführt beim Altdorfer Festival "Alpentöne".

Brustmann (Jodel-Wahnsinn, MonacoBagage, Soloprogramm), immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, erweckt hier eine Art Schubert'sches Lebensgefühl, das sich aus Musik, brummelndem Gerede, aus Original-Schubert und plötzlich genau passenden Leihgaben ("Yesterday", Anton Karas' "Harry Lime" aus "Der dritte Mann") zusammensetzt und das Publikum (voller Saal, große Zuhör-Bereitschaft) mit seinem sanften Ton regelrecht einspinnt.

Welche Mitstreiter aber auch! Die Schwester Monika Brustmann mit ihrem im Ausdruck un-irritierbar echten, warmen Sopran, der Schauspieler Wolfram Berger, eine Nestroyfigur, dem selbst noch ein alter Witz frisch erfunden von der Zunge geht wie vom Kollegen Girardi und vor allem die grandiose Harfenistin Maria Graf.

Die lässt vermuten, dass eigentlich doch die Harfe, nicht das Klavier, das richtige Instrument zur Liedbegleitung wäre. Und wenn sie Ländler spielt, Walzer, auch ein paar Takte "Moldau" einfließen lässt, dann wird in ihrer grundmusikalischen Phrasierung (der verzögerte Dreier wie bei Carlos Kleiber!) klar, was sie bei Celi gelernt hat.

Brustmann, auf Zither, Mundharmonika, Mini-Harmonium (aus dem Koffer) gleich Schubert-nah, hat das Ganze unauffällig im Griff. Nach dem gemeinsam gesungenen "Lindenbaum" wäre ein schöner Schluss gewesen, und die Video-Installation hätte es nicht gebraucht.
Aber sonst: Schubert gefunden!

Beate Kayser in tz vom 31.12.2007/1.1.2008


Pressestimmen zur Uraufführung "Franz Schubert – dringend gesucht"

in Altdorf am 17.8.2007


Schubert verklärt die Alpentöne

Musikfestival / Es war für einmal auch ein Theaterspektakel

Vollbesetzte Säle, einmalige Konzert, schräge, feine, laute und leise Töne. Das Altdorfer Musikfestival war erneut ein großer Erfolg – mit Franz Schubert. Josef Brustmann, schon zweimal bei den Alpentönen dabei, hatte sich einen Wunsch des Festivals zueigen gemacht: einen Abend mit einem Künstler, dessen Leben nichts anderes als eine tragische und fruchtbare Wanderung um die Alpen zugleich war, Franz Schubert. Mit volkstümlichen und klassischen Liedern, Sprüchen und der feinen Sprache Goethes ließ er den Wanderer zwischen Liebe und Einsamkeit, Lust und Frust, Not und Einkommen, Konzertsaal und Wirthaus aufleben. Josef Brustmanns Schubert-Programm mit Freunden erhob die Alpentöne zu einem Gesamtkunstwerk der Sprache, des Schauspiels und der Musik.

Urner Wochenblatt, 22.8.2007


Der Alpenraum ist überall

Eindrücke vom fünften Festival Alpentöne in Altdorf

Es ist ein Festival neuen Typs: Originell, schräg, leger, populär. Das fünfte Alpentöne-Festival in Altdorf brachte einige Highlights …
… Am gleichen Abend gab es ein weiteres locker mit dem Alpenraum verbundenes Stück Musiktheater in Uraufführung. Josef Brustmann hat sich mit seiner Schwester Monika, der glänzenden Harfenistin Maria Graf und dem Schauspieler Wolfram Berger zusammengetan, und ein Stück über Franz Schubert erarbeitet … Was hier in Atem hält ist die Mixtur aus Dokumentarischem, Klangverfremdung und Wiener Heiterkeit, für welch Letztere vor allem der scheinbar nie alternde Wolfram Berger sorgt. Ein packend rhythmisierter und gerade dadurch hoch musikalischer Abend …

Franz Schubert – dringend gesucht kann man sich am Züricher Theaterspektakel oder in der Basler Gare du Nord wie am Alpentöne-Festival vorstellen.

Basler Zeitung Kulturmagazin, 20.8.2007


Internationales Musikfestival Alpentöne

Vokale Ausnahmekunst, eine liebevolle Schubert- Hommage, viel Einheimisches und auch Ausländisches: Alpentöne war wiederum spannend und anregend

… Musik und Theatrales verbindet sich bei der eigens für "Alpentöne" gestalteten Auftragsarbeit des in Altdorf gut bekannten Bayern Josef Brustmann. Mit Schauspieler Wolfram Berger, Sopranistin Monika Brustmann und Maria Graf an der Harfe macht sich Brustmann auf eine Spurensuche in Form einer Text-Musik-Collage: Franz Schubert – dringend gesucht verwendet originales Schubert-Material, fokussiert sich auf den tragischen Wanderer-Komponisten, auf Vita und Werk.

Da kann ein Paul McCartney ("Yesterday" ab Spieldose) ebenso Platz finden wie Anton Karas' weltberühmte Wiener Zithermelodie aus "Der dritte Mann". Alles ist eine liebevoll verschrobene Hommage an die tragische Biographie und das Werk Schuberts – instrumentiert u.a. mit einem unvergleichlichen, aus einem Reisekoffer gezauberten Kleinharmonium.

Neue Luzerner Zeitung, 20.8.2007


Meine Entzückung

Wenn die Liebeserklärung eines Schmetterlings an die Rose auf der Bühne spielt … Franz Schubert im Geiste durch Wirtstuben und Bordelle, durch Konzertsäle und Winterlandschaften wandert, Goethes Sprache entzückt, erhebt sich mein Empfinden … Wenn Josef Brustmann und Wolfram Berger die Sprache zelebrieren, Maria Graf, Soloharfenistin der Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan und die Sopranistin Monika Brustmann auftreten, dann ist meine Freude nicht mehr zu übertreffen.

Kommentar von Erich Herger in: Urner Wochenblatt, 22.8.2007


Nachgefragt

bei Hansjörg Felber, Projektleiter Alpentöne

… Was war der Höhepunkt im diesjährigen Programm?
Felber: Christian Zehnders Soloprojekt war wie erwartet ein Höhepunkt. Ein anderer war für mich Franz Schubert – dringend gesucht von Josef Brustmann mit seinen Freunden.

Neue Urner Zeitung, 20.8.2007