Gedichte – Auswahl

 

Mein Großvater

Mein Großvater, der heimlich
die junge Magd liebte,
die ihm die müden
Bauernfüße streichelte,
bevor sie nach Wien wegging,
für immer,
hatte noch einen Veilchenstrauß
im Rucksack für die Magd,
die für immer wegging,
ohne Veilchenstrauß,
der im Rucksack lag,
als  mein Großvater
mit fünfundfünfzig Jahren,
ohne noch den Veilchenstrauß
der Magd zu geben,
mit einer Schrotflinte
ins Herz sich schoß,
und sein Blut Rucksack
und Veilchenstrauß rot tränkten,
und sich mein Großvater
im Schall und Rauch eines
Herzblattschusses
seiner Liebe vergewisserte,
die nur der Magd galt,
aber nicht meiner Großmutter,
die heimlich nur meinen Vater liebte,
der auch mich nur heimlich lieben durfte,
und umgekehrt,
und umgekehrt.